Donnerstag, 19. Juli 2018

Verfassungsbeschwerde gegen den Bau der Erdgaspipeline „Nord Stream 2“ erfolglos


Bundesverfassungsgericht -Pressestelle-

Verfassungsbeschwerde gegen den Bau der Erdgaspipeline „Nord Stream 2“ erfolglos Pressemitteilung Nr. 60/2018 vom 19. Juli 2018

Das Bundesverfassungsgericht hat eine neue Pressemitteilung veröffentlicht.

Hierzu lautet der Kurztext:
Mit heute veröffentlichtem Beschluss hat die 2. Kammer des Ersten Senats eine Verfassungsbeschwerde des Naturschutzbundes Deutschland und seines Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern gegen eine Entscheidung im verwaltungsgerichtlichen Eilverfahren betreffend den Planfeststellungsbeschluss für den Bau der Erdgaspipeline „Nord Stream 2“ nicht zur Entscheidung angenommen. 

Damit ist auch der entsprechende Eilantrag ohne Erfolg geblieben. Die Kammer hat offengelassen, ob einer anerkannten Vereinigung im Rahmen einer nach dem Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz erhobenen Klage der Schutz des Art.
19 Abs. 4 Satz 1 GG zugutekommt. Denn schon nach dem Vortrag der Beschwerdeführer war nicht erkennbar, dass das Oberverwaltungsgericht gegen Vorgaben des Art. 19 Abs. 4 Satz 1 GG verstoßen hätte. Zwar hat das Gericht ohne nähere Sach- und Rechtsprüfung allein anhand einer Folgenabwägung entschieden, obwohl die Beschwerdeführer geltend gemacht haben, es komme zu irreversiblen Umweltschäden. Droht einem Antragsteller bei Versagung des einstweiligen Rechtsschutzes eine erhebliche, über Randbereiche hinausgehende Verletzung in seinen Grundrechten, die durch eine der Klage stattgebende Entscheidung in der Hauptsache nicht mehr beseitigt werden kann, darf vorläufiger Rechtsschutz von Verfassungs wegen nur dann allein aufgrund einer Folgenabwägung verwehrt werden, wenn es nicht möglich ist, eine - gegebenenfalls auch nur summarische - Rechtmäßigkeitsprüfung in der für eine Eilentscheidung zur Verfügung stehenden Zeit durchzuführen.
Die Beschwerdeführer hätten aber näher darlegen müssen, ob und welche von ihnen im fachgerichtlichen Verfahren geltend gemachten Tatsachenfragen und Rechtsmängel entgegen der Auffassung des Oberverwaltungsgerichts doch summarischer Prüfung zugänglich gewesen wären. Das haben sie nicht getan. Ihr Vortrag lässt auch nicht erkennen, dass die vom Oberverwaltungsgericht vorgenommene Folgenabwägung gegen Art. 19 Abs. 4 Satz 1 GG verstößt oder die Beschwerdeführer in ihrem Recht aus Art. 103 Abs. 1 GG verletzt sind.


Sie können den Text im Internet über folgende URL erreichen:
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Herausgeber: Bundesverfassungsgericht, Schlossbezirk 3, 76131 Karlsruhe © Bundesverfassungsgericht - 2018

Donnerstag, 12. Juli 2018

Facebook-Benutzerkonto ist vererbbar


Bundesgerichtshof -Mitteilung der Pressestelle, Nr. 115/2018 vom 12.07.2018

Vertrag über ein Benutzerkonto bei einem sozialen Netzwerk ist vererbbar

Kommentar: Jede andere Entscheidung wäre auch völlig unverständlich gewesen.

Zitat (Hervorhebungen sind nicht Teil des Urteils):
 
"Urteil vom 12. Juli 2018 – III ZR 183/17

Der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute entschieden, dass der Vertrag über ein Benutzerkonto bei einem sozialen Netzwerk grundsätzlich im Wege der Gesamtrechtsnachfolge auf die Erben des ursprünglichen Kontoberechtigten übergeht und diese einen Anspruch gegen den Netzwerkbetreiber auf Zugang zu dem Konto einschließlich der darin vorgehaltenen Kommunikationsinhalte haben. 

Der Sachverhalt:

Die Klägerin ist die Mutter der im Alter von 15 Jahren verstorbenen L. W. und neben dem Vater Mitglied der Erbengemeinschaft nach ihrer Tochter. Die Beklagte betreibt ein soziales Netzwerk, über dessen Infrastruktur die Nutzer miteinander über das Internet kommunizieren und Inhalte austauschen können. 

2011 registrierte sich die Tochter der Klägerin im Alter von 14 Jahren im Einverständnis ihrer Eltern bei dem sozialen Netzwerk der Beklagten und unterhielt dort ein Benutzerkonto. 2012 verstarb das Mädchen unter bisher ungeklärten Umständen infolge eines U-Bahnunglücks. 

Die Klägerin versuchte hiernach, sich in das Benutzerkonto ihrer Tochter einzuloggen. Dies war ihr jedoch nicht möglich, weil die Beklagte es inzwischen in den sogenannten Gedenkzustand versetzt hatte, womit ein Zugang auch mit den Nutzerdaten nicht mehr möglich ist. Die Inhalte des Kontos bleiben jedoch weiter bestehen. 

Die Klägerin beansprucht mit ihrer Klage von der Beklagten, den Erben Zugang zu dem vollständigen Benutzerkonto zu gewähren, insbesondere zu den darin vorgehaltenen Kommunikationsinhalten. Sie macht geltend, die Erbengemeinschaft benötige den Zugang zu dem Benutzerkonto, um Aufschluss darüber zu erhalten, ob ihre Tochter kurz vor ihrem Tod Suizidabsichten gehegt habe, und um Schadensersatzansprüche des U-Bahn-Fahrers abzuwehren. 

Der Prozessverlauf:

Das Landgericht hat der Klage stattgegeben. Auf die Berufung der Beklagten hat das Kammergericht das erstinstanzliche Urteil abgeändert und die Klage abgewiesen. Hiergegen richtet sich die vom Berufungsgericht zugelassene Revision der Klägerin.

Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs:

Der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat das Urteil des Kammergerichts aufgehoben und das erstinstanzliche Urteil wiederhergestellt. 

Die Erben haben gegen die Beklagte einen Anspruch, ihnen den Zugang zum Benutzerkonto der Erblasserin und den darin vorgehaltenen Kommunikationsinhalten zu gewähren. Dies ergibt sich aus dem Nutzungsvertrag zwischen der Tochter der Klägerin und der Beklagten, der im Wege der Gesamtrechtsnachfolge nach § 1922 Abs. 1 BGB auf die Erben übergegangen ist. 

 Dessen Vererblichkeit ist nicht durch die vertraglichen Bestimmungen ausgeschlossen. Die Nutzungsbedingungen enthalten hierzu keine Regelung. Die Klauseln zum Gedenkzustand sind bereits nicht wirksam in den Vertrag einbezogen. Sie hielten überdies einer Inhaltskontrolle nach § 307 Abs. 1 und 2 BGB nicht stand und wären daher unwirksam. 

Auch aus dem Wesen des Vertrags ergibt sich eine Unvererblichkeit des Vertragsverhältnisses nicht; insbesondere ist dieser nicht höchstpersönlicher Natur. Der höchstpersönliche Charakter folgt nicht aus im Nutzungsvertrag stillschweigend vorausgesetzten und damit immanenten Gründen des Schutzes der Persönlichkeitsrechte der Kommunikationspartner der Erblasserin. Zwar mag der Abschluss eines Nutzungsvertrags mit dem Betreiber eines sozialen Netzwerks in der Erwartung erfolgen, dass die Nachrichten zwischen den Teilnehmern des Netzwerks jedenfalls grundsätzlich vertraulich bleiben und nicht durch die Beklagte dritten Personen gegenüber offengelegt werden. Die vertragliche Verpflichtung der Beklagten zur Übermittlung und Bereitstellung von Nachrichten und sonstigen Inhalten ist jedoch von vornherein kontobezogen. Sie hat nicht zum Inhalt, diese an eine bestimmte Person zu übermitteln, sondern an das angegebene Benutzerkonto. Der Absender einer Nachricht kann dementsprechend zwar darauf vertrauen, dass die Beklagte sie nur für das von ihm ausgewählte Benutzerkonto zur Verfügung stellt. Es besteht aber kein schutzwürdiges Vertrauen darauf, dass nur der Kontoinhaber und nicht Dritte von dem Kontoinhalt Kenntnis erlangen. Zu Lebzeiten muss mit einem Missbrauch des Zugangs durch Dritte oder mit der Zugangsgewährung seitens des Kontoberechtigten gerechnet werden und bei dessen Tod mit der Vererbung des Vertragsverhältnisses. 

Eine Differenzierung des Kontozugangs nach vermögenswerten und höchstpersönlichen Inhalten scheidet aus. Nach der gesetzgeberischen Wertung gehen auch Rechtspositionen mit höchstpersönlichen Inhalten auf die Erben über.  

So werden analoge Dokumente wie Tagebücher und persönliche Briefe vererbt, wie aus § 2047 Abs. 2 und § 2373 Satz 2 BGB zu schließen ist. Es besteht aus erbrechtlicher Sicht kein Grund dafür, digitale Inhalte anders zu behandeln.

Einen Ausschluss der Vererblichkeit auf Grund des postmortalen Persönlichkeitsrechts der Erblasserin hat der III. Zivilsenat ebenfalls verneint. 

Auch das Fernmeldegeheimnis steht dem Anspruch der Klägerin nicht entgegen. Der Erbe ist, da er vollständig in die Position des Erblassers einrückt, jedenfalls nicht "anderer" im Sinne von § 88 Abs. 3 TKG. 

Schließlich kollidiert der Anspruch der Klägerin auch nicht mit dem Datenschutzrecht. Der Senat hat hierzu die seit 25. Mai 2018 geltende Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) anzuwenden. Diese steht dem Zugang der Erben nicht entgegen. Datenschutzrechtliche Belange der Erblasserin sind nicht betroffen, da die Verordnung nur lebende Personen schützt. Die der Übermittlung und Bereitstellung von Nachrichten und sonstigen Inhalten immanente Verarbeitung der personenbezogenen Daten der Kommunikationspartner der Erblasserin ist sowohl nach Art. 6 Abs. 1 Buchst. b Var. 1 DS-GVO als auch nach Art. 6 Abs. 1 Buchst. f DS-GVO zulässig. Sie ist sowohl zur Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen  gegenüber den Kommunikationspartnern der Erblasserin erforderlich (Art. 6 Abs. 1 Buchst. b Var. 1 DS-GVO) als auch auf Grund berechtigter überwiegender Interessen der Erben (Art. 6 Abs. 1 Buchst. f DS-GVO). 

Die maßgeblichen Vorschriften lauten: 

§ 1922 Abs. 1 BGB Gesamtrechtsnachfolge

(1) Mit dem Tode einer Person (Erbfall) geht deren Vermögen (Erbschaft) als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen (Erben) über.

§ 307 BGB Inhaltskontrolle 

(1) Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind unwirksam, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen. Eine unangemessene Benachteiligung kann sich auch daraus ergeben, dass die Bestimmung nicht klar und verständlich ist. 

(2) Eine unangemessene Benachteiligung ist im Zweifel anzunehmen, wenn eine Bestimmung 

1. mit wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelung, von der abgewichen wird, nicht zu vereinbaren ist oder 

2. wesentliche Rechte oder Pflichten, die sich aus der Natur des Vertrags ergeben, so einschränkt, dass die Erreichung des Vertragszwecks gefährdet ist. 

(3) Die Absätze 1 und 2 sowie die §§ 308 und 309 gelten nur für Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen, durch die von Rechtsvorschriften abweichende oder diese ergänzende Regelungen vereinbart werden. Andere Bestimmungen können nach Absatz 1 Satz 2 in Verbindung mit Absatz 1 Satz 1 unwirksam sein. 

§ 2047 BGB Verteilung des Überschusses

(1) Der nach der Berichtigung der Nachlassverbindlichkeiten verbleibende Überschuss gebührt den Erben nach dem Verhältnis der Erbteile.

(2) Schriftstücke, die sich auf die persönlichen Verhältnisse des Erblassers, auf dessen Familie oder auf den ganzen Nachlass beziehen, bleiben gemeinschaftlich.

§ 2373 BGB Dem Verkäufer verbleibende Teile

Ein Erbteil, der dem Verkäufer nach dem Abschluss des Kaufs durch Nacherbfolge oder infolge des Wegfalls eines Miterben anfällt, sowie ein dem Verkäufer zugewendetes Vorausvermächtnis ist im Zweifel nicht als mitverkauft anzusehen. Das Gleiche gilt von Familienpapieren und Familienbildern.

§ 88 TKG Fernmeldegeheimnis 

(1) Dem Fernmeldegeheimnis unterliegen der Inhalt der Telekommunikation und ihre näheren Umstände, insbesondere die Tatsache, ob jemand an einem Telekommunikationsvorgang beteiligt ist oder war. Das Fernmeldegeheimnis erstreckt sich auch auf die näheren Umstände erfolgloser Verbindungsversuche. 

(2) Zur Wahrung des Fernmeldegeheimnisses ist jeder Diensteanbieter verpflichtet. Die Pflicht zur Geheimhaltung besteht auch nach dem Ende der Tätigkeit fort, durch die sie begründet worden ist. 

(3) Den nach Absatz 2 Verpflichteten ist es untersagt, sich oder anderen über das für die geschäftsmäßige Erbringung der Telekommunikationsdienste einschließlich des Schutzes ihrer technischen Systeme erforderliche Maß hinaus Kenntnis vom Inhalt oder den näheren Umständen der Telekommunikation zu verschaffen. Sie dürfen Kenntnisse über Tatsachen, die dem Fernmeldegeheimnis unterliegen, nur für den in Satz 1 genannten Zweck verwenden. Eine Verwendung dieser Kenntnisse für andere Zwecke, insbesondere die Weitergabe an andere, ist nur zulässig, soweit dieses Gesetz oder eine andere gesetzliche Vorschrift dies vorsieht und sich dabei ausdrücklich auf Telekommunikationsvorgänge bezieht. Die Anzeigepflicht nach § 138 des Strafgesetzbuches hat Vorrang. 

(4) Befindet sich die Telekommunikationsanlage an Bord eines Wasser- oder Luftfahrzeugs, so besteht die Pflicht zur Wahrung des Geheimnisses nicht gegenüber der Person, die das Fahrzeug führt oder gegenüber ihrer Stellvertretung. 

Art. 6 Abs. 1 DS-GVO Rechtmäßigkeit der Verarbeitung

(1) Die Verarbeitung ist nur rechtmäßig, wenn mindestens eine der nachstehenden Bedingungen erfüllt ist: 

a) Die betroffene Person hat ihre Einwilligung zu der Verarbeitung der sie betreffenden personenbezogenen Daten für einen oder mehrere bestimmte Zwecke gegeben;

b) die Verarbeitung ist für die Erfüllung eines Vertrags, dessen Vertragspartei die betroffene Person ist, oder zur Durchführung vorvertraglicher Maßnahmen erforderlich, die auf Anfrage der betroffenen Person erfolgen;

c) die Verarbeitung ist zur Erfüllung einer rechtlichen Verpflichtung erforderlich, der der Verantwortliche unterliegt;

d) die Verarbeitung ist erforderlich, um lebenswichtige Interessen der betroffenen Person oder einer anderen natürlichen Person zu schützen;

e) die Verarbeitung ist für die Wahrnehmung einer Aufgabe erforderlich, die im öffentlichen Interesse liegt oder in Ausübung öffentlicher Gewalt erfolgt, die dem Verantwortlichen übertragen wurde;

f) die Verarbeitung ist zur Wahrung der berechtigten Interessen des Verantwortlichen oder eines Dritten erforderlich, sofern nicht die Interessen oder Grundrechte und Grundfreiheiten der betroffenen Person, die den Schutz personenbezogener Daten erfordern, überwiegen, insbesondere dann, wenn es sich bei der betroffenen Person um ein Kind handelt.

Vorinstanzen: 

Landgericht Berlin – Entscheidung vom 17. Dezember 2015 - 20 O 172/15 

Kammergericht  – Entscheidung vom 31. Mai 2017 - 21 U 9/16 

Karlsruhe, den 12. Juli 2018

Pressestelle des Bundesgerichtshofs
76125 Karlsruhe
Telefon (0721) 159-5013
Telefax (0721) 159-5501



Dienstag, 8. Mai 2018

Die Deutsche Post - ein Ärgernis!


Zu­ver­läs­sig­keit der Deutschen Post ‑ es war ein­mal!

Als es die staat­li­che Post noch gab, konn­te man sich da­rauf verlassen, dass ein Brief, der vor der letz­ten Leerung des Briefkastens ein­ge­wor­fen wor­den war, bun­des­weit am nächsten Tag seinen Emp­fän­ger erreichte.

Seit­dem die Deutsche Post pri­va­ti­siert wurde, kann da­von leider keine Rede mehr sein.

In länd­li­cher Ge­gend haben sich die Kunden der Deutschen Post schon lan­ge daran gewöhnen müssen, dass Brie­fe über eine Distanz von weniger als 20 km fast ei­ne Woche unterwegs sind.

Mon­tags haben wir in unserer Kanz­lei generell von der Deutschen Post keinen Briefeingang mehr.

Seit ei­nem Jahr kämp­fe ich für ei­ne Man­dan­tschaft gegen die Voll­stre­ckung aus ei­nem Voll­stre­ckungs­be­scheid, der nach­weis­lich an einer falschen Adresse zugestellt wurde, ob­wohl keiner der dort befindlichen Brief­käs­ten den Namen der Man­dant­schaft trug. Von der Exis­tenz die­ses Voll­stre­ckungs­be­scheids er­fuhr der Man­dant erst durch den Gerichts­voll­zie­her.

Der­sel­be Man­dant bekommt seit Mo­na­ten Post, die an ei­ne Kindertagesstätte adressiert sind, obwohl sich die­se Kin­der­ta­ges­stät­te zwar in derselben Straße befindet, nicht aber im Haus des Man­dan­ten.


Den Vo­gel ab­ge­schos­sen hat jetzt allerdings ein anderer Vorgang:

Vor ei­ni­gen Ta­gen rief mich ein Geschäftspartner an, um mitzuteilen, dass er soeben, am 5. Mai 2018, ei­nen Briefumschlag der Deutschen Post erhalten hatte, in dem sich sei­ne  Weih­nachtspost von Mit­te Dezember 2017 an mich "als un­zu­stell­bar" be­fand.

Der Ab­sen­der hatte zwar eine über­hol­te Anschrift an­ge­ge­ben. Es stellt sich allerdings die Frage, wa­rum fünf Monate ins Land ge­hen muß­ten, um dies dem Absender mitzuteilen.

Der­sel­be Ge­schäfts­part­ner berichtete mir davon, dass er mit schö­ner Re­gel­mä­ßig­keit Post aus den Stra­ßen der Um­ge­bung in sei­nem Briefkasten findet, sobald die Emp­fän­ger nur in einem Anwesen mit der Hausnummer 48 wohnen.

Es scheint dem Un­ter­neh­men egal zu sein, wei­te­re Kunden zu verlieren. Es scheint dem ehe­ma­li­gen Staats­be­trieb auch egal zu sein, ob sei­ne Kun­den geschäftliche Nachteile er­lei­den.

Aus Ge­winn­ma­xi­mie­rung wer­den zu we­nig Mitarbeiter be­schäf­tigt, die an­stel­le der Briefe immer mehr Werbung aus­tra­gen müs­sen.

Selt­sam ist nur, dass der Werbemist re­gel­mä­ßig und pünkt­lich im Briefkasten liegt.

Das ehe­mals staatliche Unternehmen ist ein schönes Beispiel dafür, dass Pri­va­ti­sie­rung kei­nes­wegs zwin­gend zur Verbesserung der Leistung führt.






Freitag, 27. April 2018

Widerruf von Lebensversicherungen und Rentenversicherungen

Lebensversicherungsverträge und Rentenversicherungsverträge, die in der Zeit zwischen dem 29.07.1994 und 31.12.2007 abgeschlossen wurden, können auch heute noch widerrufen werden.
Dies gilt auch für bereits abgewickelte Verträge aus dieser Zeit. Grund dafür sind Regelungen im deutschen Versicherungsvertragsgesetz (VVG), die der europäische Gerichtshof vor Jahren für unwirksam erklärt hat.

Der Bundesgerichtshof hat deshalb die deutsche Rechtslage „richtlinienkonform“ dahingehend ausgelegt, dass die unwirksamen Paragrafen auf Lebensversicherungs- und Rentenversicherungverträge nicht anwendbar sind.

 Es gilt demzufolge das ewige Widerrufsrecht.

Gründe für den Widerruf / den Rücktritt: 


Die Versicherungsgesellschaften haben ihre Kunden

  • - nicht über das Widerrufsrecht / das Rücktrittsrecht belehrt; 
  • - Die Belehrung ist inhaltlich falsch. 
  • - Die Hinweise für den Versicherungsnehmer auf sein Widerrufsrecht sind drucktechnisch nicht deutlich in den Vertragsunterlagen hervorgehoben worden. 

Diese Fehler haben zur Folge, dass der Versicherungsnehmer heute noch, selbst bei beendetem Vertrag von seinem Widerrufsrecht / später Rücktrittsrecht Gebrauch machen kann.

 

Folgen: 

 

 Die Versicherungsgesellschaft hat folgende Beträge zurückzuerstatten:

  • - Alle gezahlten Prämien, 
  • - alle Abschlusskosten, 
  • - alle Verwaltungskosten; 

Die Sparanteile sind zu verzinsen in Höhe der jährlichen Ertragslage der Versicherungsgesellschaft.

Gegenzurechnen sind:
  •  - ausgezahlte Rückkaufswerte und Teilleistungen,
  •  - an das Finanzamt abgeführte Kapitalertragsteuer und          Solidaritätszuschläge, 
  • - Risikoanteile z.B. für Todesfallschutz und Berufsunfähigkeits-versicherung 

 

Ergebnis: 


Die Rückabwicklung durch Widerruf kann sich also lohnen.

Sie ist in jedem Fall für den Versicherungsnehmer günstiger als die Kündigung des Vertrages.

Sofern Verträge in der Vergangenheit schon gekündigt und abgewickelt wurden, kann auf diese Weise noch ein Nachschlag erzielt werden.

 Bei Verträgen mit langer Laufzeit können auf diese Weise ganz erhebliche Summen zustande kommen.



Wie immer ist jeder Versicherungsvertrag individuell zu prüfen! 

Nach einer Erhebung der Verbraucherzentralen sollen ca. 60 % aller Lebens- und Rentenversicherungen fehlerhafte Belehrungen aufzeigen. 

Besonders aufgefallen sind in dem Zusammenhang die Aachen Münchener Versicherung, Standard Life, Swiss Life, Nürnberger Versicherung, Allianz-Versicherung, Clerical Medical u.a.

Freitag, 20. April 2018

So werden Senioren über den Tisch gezogen - Dreiste Betrüger am Werk!


 

So werden Senioren über den Tisch gezogen!


Als Aufreger  des Monats April 2018 ist mir  eine Reportage der Sendung WISO vom 9. April 2018 in Erinnerung. Um es vorweg zu sagen: Für die Aufregung ist WISO natürlich nicht verantwortlich. 

 "Oma-Trick"
 
Beim so genannten „Oma-Trick“ war mit Ankäufern von Pelzen, Schmuck und anderen Wertgegenständen Kontakt aufgenommen worden, welche in Kleinanzeigen von kostenlosen Werbeblättern inserieren.

Mit dem „Oma-Trick“ testet WISO  bekanntlich, was sich angeblich seriöse Menschen gegenüber Senioren an Unverschämtheiten bis hin zum Betrug herausnehmen.

In diesem Fall ging es darum, dass die „Oma“ einen Pelz verkaufen wollte.  Wie immer wurde die „Oma“ auf das Gespräch vorbereitet. Es war auch eine angebliche Enkelin mit anwesend. Neben dem Pelz hatte WISO auch für Schmuck im Wert von 15.000 € inklusive Händlermarge und Umsatzsteuer zur Verfügung gestellt. 

Mit drei Ankäufern beiderlei Geschlechts hatte man Kontakt aufgenommen, die auch der Reihe nach erschienen sind. In allen 3 Fällen stellte sich heraus, dass trotz entsprechendem Inserat am Ankauf des Pelzes eigentlich kein Interesse bestand.

Ziemlich schnell kamen die Aufkäufer zum wahren Anliegen ihres Besuchs und erkundigten sich, ob nicht auch Schmuck zu verkaufen sei.
 Nach angeblich sorgfältiger Prüfung beliefen sich die Angebote auf knapp 1/3 des tatsächlichen Wertes.  In allen 3 Fällen hätte man  im wahren Leben die „Oma“ also  über den Tisch gezogen!

Besonders dreist war der letzte Aufkäufer! Er begann nämlich seine Begrüßung damit, dass er über die mangelnde Seriosität von schwarzen Schafen in seiner Branche herzog, natürlich verbunden mit der Aussage, dass er absolut seriös arbeiten würde. Das sollte wohl der Vertrauensbildung dienen.


Bei der Inaugenscheinnahme des Schmucks wurde dann aber aus dem Weißgoldschmuck angebliches Silber. Die Edelsteine waren plötzlich Glassteine.  Zur Prüfung des Metalls mussten alle „Experten“ von der „Oma“ erst aufgefordert werden. Und der  Dritte verstieg sich zur  Aussage, dass er die Steine mithilfe eines Prüfgerätes getestet hätte. Es gibt allerdings kein Gerät, welches alle Edelsteine auf Echtheit prüfen kann. Auf dem Markt existiert nur ein Gerät, welches echte von falschen Diamanten unterscheiden kann. 


Summa summarum verstieg sich dieser Mensch zu einem Angebot von 1.500 €. 

Als daraufhin die Experten von WISO  aus dem Nebenzimmer kamen, um ihn damit zu konfrontieren, dass er eben einen Schmuck im Wert von 15.000 € mit gerade mal einem Zehntel des Wertes taxiert hatte, verstieg sich der Schmuckexperte zur Aussage, das sei ja nur ein Angebot gewesen, was die Dame ja nicht hätte annehmen müssen.

Ein Schuldbewusstsein hatten weder er noch die beiden anderen Aufkäufer. Alle suchten schnell das Weite, als sich herausstellte, dass die „Oma“ so schutzlos gar nicht war.

Es ist eine Schweinerei, wie gewissenlose Menschen mit solchen miesen Tricks sich Wertgegenstände unter den Nagel reißen wollen und Angebote unterbreiten, die man nur als Betrug bezeichnen kann.

Die Lehre kann nur sein: Finger weg von Kleinanzeigen in Werbeblättern!

Wenn Schmuck verkauft werden soll, sollte man sich bei mehreren Juwelieren Angebote einholen, die Vertragsverhandlungen nie alleine führen, sondern immer Zeugen dabei haben und sich Angebote auch schriftlich geben lassen.